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Torben in Kampala
11. bis 16. August 2010

Reiseimpressionen


 

Tag 5: Montag, 16. August 2010

Heute endete meine äußerst erlebnisreiche und unvergessliche Zeit in Uganda auch schon. Nachdem ich fast meinen Flieger verpasste (mein Fahrer zum Flughafen kann eine Stunde zu spät und wir standen ewig lange im Stau), musste ich mich auf unser Vorhaben in Tansania konzentrieren. Aber ich komme gerne zurück und ab jetzt habt ihr Jungs und Mädels in Uganda unseren Support sicher!


 

Tag 4: Sonntag, 15. August 2010

Heute stand der Abflug von Brian an und alle waren sehr traurig, da keiner weiß wann er das Geld zusammen hat, um wieder zu kommen. Er hat wirklich Eindruck bei den Kids und auch mir hinterlassen und macht einen verdammt guten Job. Er ist auch neben dem Schweizer Jan und Jack die letzte Instanz, wenn es um Entscheidungen für die Union geht.

Dann stand wie jeden Sonntag Streetskating in der Hauptstadt Ugandas auf dem Plan. Als wir durch die Straßen pushten, guckten die Leute, als ob gerade ein UFO gelandet wäre. Für den Hauptteil der ugandischen Bevölkerung ist Skateboarding total fremd. Oder man hat es vielleicht schon mal im Fernsehen gesehen. Aber wirklich hier, in Uganda, und dann noch die eigenen Jungs: schlicht unglaublich.

So geschah auch bei dem fünften Spot den wir skaten wollten - aus europäischer oder amerikanischer Skateboardersicht - ein kleines Wunder. An einem schönen 4er-Set Stufen saß ein Wachmann. Als westlich sozialisierter Skateboarder dachte ich mir sofort: vergiss es. Da dürfen wir nie im Leben skaten. Doch ich sollte mich täuschen, und wie! Nach freundlichem Nachfragen durften wir die Treppe springen und zehn Minuten später wollte der freundliche Wachmann es unbedingt selbst ausprobieren. Mit mehr oder weniger gutem Erfolg, aber viel Spaß. Als wir dann einen weiteren Spot um die Ecke anfuhren, kam er uns hinterher. Er hat einfach mal seinen Job vernachlässigt, denn er wollte unbedingt sehen, was dort geschieht und selbst noch einmal das Brett mit den vier Rollen ausprobieren. Keine zehn Minuten später schauten uns fünf Wachmänner, einer mit einer großem Shotgun, und ein Passant uns zu.

Dann probierten sie es alle selber mit einer unglaublichen Freude aus und dankten uns am Ende noch recht herzlich für die neue Erfahrung. Das ist ja mal was! Es geht doch und alle Sicherheitsdienste der Welt sollen sich daran mal ein Beispiel nehmen. Skateboarding verbindet halt…


 

Tag 4: Samstag, 14. August 2010

Musikanlage und DJ waren also gebucht. Wir hatten uns zu 9.30 Uhr zum Aufbau verabredet. Die Sonne knallte, wie die letzten Tage nicht. Also habe ich in der brütenden Hitze gewartet und gewartet und gewartet. Mein Fehler war, dass wir uns ja zum afrikanischen 9.30 Uhr verabredet hatten, also kamen die Anderen um 12 Uhr.

Genau in dem Moment, als Anlage und DJ auftauchten, fing es wie aus Kübeln an zu regnen. Was für ein Timing! Wir mussten dann bis 16 Uhr warten. Doch die Wolken verzogen sich und eine unglaubliche Skatesession konnte starten. Hunderte von Besucher konnten die Flips, Ollies, 360ies der Skater bewundern. Und die, die zum ersten Mal da waren glaubten es nicht! Als es dann wirklich stockdunkel war und kein Skaten mehr möglich war, wurde der Sound aufgedreht und der Skatepark verwandelte sich im Handumdrehen zu einem riesigen Dancefloor. Bis spät in die Nacht feierten wir. Ich habe übrigens kein einziges Bier angenommen. Denn das ist Gesetz auf dem Gelände des Skateparks: kein Alkohol, keine Drogen!

Und dann war da noch die 7jährige Rachel, oder auch Ndagire genannt. Die Mutter verließ die Familie früh. Im letzten Jahr starb ihr Vater an AIDS. Er plante damals auch den Skatepark. Ich habe die kleine Rachel in den ersten Tagen bis zur Party kein einziges Mal lächeln sehen. Aber am Tag des Jams spielte sie ausgelassen mit dem Skateboard. Und am Abend haben wir bis zum Umfallen getanzt. John Travolta hätte sich noch eine Scheibe abschneiden können. Es war ein extrem schönes Erlebnis, das kleine Mädchen so ausgelassen feiern und lachen zu sehen. Noch mal Danke an die Spender!


 

Tag 3: Freitag, 13. August 2010

Nach Besorgungen in der Stadt, haben mich drei Jungs der Uganda Skateboard Union zum Miami Beach am Lake Victoria begleitet. Die unglaublichen Hintergründe einer totalen „Missentwicklungshilfe“, deren Motivation eher wirtschaftlicher Natur seitens der Europäer war, dürften den meisten Lesern bekannt sein. Abends tauschten Jack und ich etliche Ideen für unser gemeinsames Projekt aus.


 

Tag 2: Donnerstag, 12. August 2010

Jack musste zur Arbeit. Brian hat einige Interviews geführt und zwei Jungs der Union bei ihren täglichen Aufgaben mit der Kamera begleitet. Später mehr dazu. Ich sollte noch nicht mitkommen, da ich ihnen noch eine unvertraute Person war. Also habe ich, nach Rücksprache und Absicherung mit Jack, einen Spaziergang alleine durch Kitintale gemacht. Man kommt sich vor wie eine kleine Attraktion, wenn man als einziger Weißer weit und breit da durch geht. Zunächst bekommt man von allen Seiten neugierige, schüchterne und sehr ernste, ja fast schon böse Blicke zugeworfen. Doch sobald man ein Lächeln aufsetzt und ein freundliches „Jambo“ rüber wirft, bekommt man ein noch größeres Lächeln und ein fast überschwängliches „hujambo“ zurück. Vor allem die Kinder sind umwerfend. Nach vorsichtigem Abtasten kommen sie aus allen Ecken und wollen mit dem Weißen und den Skateboards spielen. Besonders ist jeder Fotoapparat eine willkommene Abwechslung in ihrem Leben. Gar nicht so einfach die Kids wieder los zu werden. ;-)

Aber das mit den Fotos und Kameras ist auch ein Problem, erzählen mir Jack und Brian später am Nachmittag. Durch die große Medienaufmerksamkeit der letzten Monate haben sich immer mehr und mehr „wichtige“ Fotografen und Journalisten angemeldet. Unter anderem auch ein Journalist von BBC. Medienaufmerksamkeit ist zwar notwendig, um Fördergelder zu bekommen, doch zurück in der Heimat hat leider fast keiner der Fotografen für Fördergelder gesorgt. Es stand halt doch nur die gute Story im Vordergrund. Die Jungs aus dem Skateprogramm haben dann zu Recht den Wunsch geäußert, dass diese Besuche aufhören müssen, da sie schließlich keine ugandischen Zoobewohner sind, die sich die reichen Westler anschauen können. Man kann der Geschichte der Uganda Skateboard Union ja auch eine gewisse afrikanische Romantik abgewinnen, aber für mich hieß es noch sensibler als sonst mit dem Thema umgehen. Dass Medienberichte wichtig sind, um das Projekt bekannt zu machen und neue potenzielle Förderer und Spender zu erreichen, ist natürlich nicht einfach zu vermitteln. Letztlich sind wir von skate-aid durch die Medien auf die Uganda Skateboard Union aufmerksam geworden.

Am Abend ist Brian zu Freunden in eine andere Stadt gefahren und Jack hat mir ausführlich über die Probleme von Armut über Drogen bis zu Aids, Gewalt und den Nachwirkungen des Kriegs in Uganda und Kitintale berichtet. Ich selber habe fast keine Erfahrungen oder Beobachtungen von Gewalt während der ganzen Reise gemacht und fühlte mich zu jeder Tages- und Nachtzeit extrem sicher. Die Leute kümmern sich rührend um einen und wollen immer wissen, was man gemacht hat, wo man sich gerade aufhält oder was man noch vorhat.
Die vielen Menschen in der Stadt mit fehlenden Gliedmaßen fielen mir direkt auf. Die Gründe sind ungefähr gleich verteilt: Unfälle, Geburtsfehler und der Krieg.

Spontan kam mir die Idee, für das Wochenende einen Skate Jam mit Party für die Kids und die Gemeinde zu organisieren. Also startete ich über Facebook einen Spendenaufruf bei dem die Hälfte des Betrages für Tonanlage und DJ zusammen kamen. Danke an die Spender!


 

Tag 1: Mittwoch, 11. August 2010

24 Stunden und zwei Zwischenstopps nach Abflug wurde ich herzlichst von Brian und Douglas empfangen. Brian ist Kanadier, der das Projekt Uganda Skateboard Union vor vier Jahren mit aufgebaut hat und war gerade sechs Wochen vor Ort. Douglas ist der Boardmaster in dem Video.

Nach einstündiger Fahrt über die huckeligen, mit meterbreiten Schlaglöchern gespickten Straßen Ugandas und durch die Hauptstadt Kampala, kamen wir im Vorort Kitintale an. Viele würden diesen Platz wohl als Ghetto oder Slum bezeichnen. Auch ich erkannte Parallelen zu den mir bekannten Townships in Kapstadt. Ein Ort also, in den ich mich als Tourist wohl eher nicht ohne Weiteres rein getraut hätte.

Noch bevor ich meinen Koffer in meiner, für die Verhältnisse schon ganz ordentlichen Unterkunft (sieht man von den Spinnen, das Rattenquieken und dem endlos tropfenden Wasserrohr ab), auspacken konnte, gingen wir zum Skatepark. Ich war sofort begeistert und ließ es mir „auf meine alten, skateboardfreien Tage“ nicht nehmen, ein paar Runden zu skaten.

Der Park ist viel kleiner, als er auf den Bildern rüber kommt (nur 150qm) und die Verhältnisse sind eher suboptimal. Viele Risse und Löcher im Boden, ein Coping mit mehr Kratern als auf dem Mond. Und Skateboards, die unsere deutschen Jugendlichen nicht im geringsten skaten würden (und wahrscheinlich auch gar nicht könnten).
Doch die Session dauerte bis zum letzen Sonnenstrahl und alle gingen begeistert nach Hause. Vor allem ich war geflasht von diesem eigenen geschaffenen Stil aus Oldschool und neuen Tricks.

Dann musste (!) ich trotz meiner Erschöpfung zum Abendessen bei Jack. Er ist der Präsident der Uganda Skateboard Union. Seine Mutter hatte schon gekocht und das Bananen-Bohnen-Irgendwas- (ich hab auch nach mehrmaligem Nachfragen nicht heraus bekommen was es war) Menü darf man als Gast nicht ausschlagen. Nach einem äußerst interessanten Gespräch bin ich dann halbtot unter meinem Moskitonetz eingeschlafen.