Douglas Mwesigwa – Ein herausragendes Beispiel
Wir arbeiten mit skate-aid in den verschiedensten Ländern der Welt. Dabei treffen wir auf immer wieder neue, unterschiedliche Menschen, von denen jeder seine ganz eigene Geschichte hat. Einige davon sind besonders bemerkenswert, deswegen freuen wir uns, wenn wir mit eben diesen Menschen nicht nur regen Kontakt haben und zusammen arbeiten, sondern auch dabei helfen können, ihr Leben zum positiven zu verändern.
Einer dieser Menschen ist Douglas Mwesigwa von der Uganda Skateboard Union. Douglas hat uns sehr beeindruckt und steht so nicht nur als gutes Beispiel dafür, was man mit Hartnäckigkeit und eisernem Willen erreichen kann, sondern auch für die unglaubliche Kraft des Skateboards.
Hier kommt seine Geschichte.
Wir von skate-aid kennen Douglas bereits seit 2010. Unser Vorstand, Torben Oberhellmann reiste damals nach Uganda, um eine mögliche Zusammenarbeit zwischen der Uganda Skateboard Union und skate-aid zu prüfen. Dabei lernte er Douglas kennen, der schon damals ein festes Mitglied der Union war.
Douglas gehört trotz seiner gerade mal 21 Jahre zu den alteingesessenen Skatern Ugandas, seit 6 Jahren ist das Skateboard wichtiger Bestandteil seines Lebens. Dabei lebt er schon seit Langem ganz selbstverständlich die skate-aid Philosophie vor: Skateboarding ist für ihn nicht nur Sport und Bewegung, sondern Lebensgefühl. Beim Skaten im selbst gebauten Skatepark der Uganda Skateboard Union kann er der Kriminalität, Armut und Gewalt auf den Straßen des Slumgebiets Kitintale in Kampala entfliehen. Das hat ihn selbstbewusst gemacht, mittlerweile gibt er Anderen Skateboardunterricht und hat sich so zu einem Vorbild für viele Kids im Slumgebiet entwickelt.
Seine Persönlichkeit und sein Engagement haben uns sehr beeindruckt. Die Ernsthaftigkeit, mit der sich Douglas für andere einsetzt, spiegelt sich auch in seinem Ehrgeiz wieder, trotz seiner schwierigen Lebensumstände seine Ziele zu verfolgen und so die Chance zu bekommen, dem Slumleben entfliehen zu können. Ein gutes Beispiel: Als er Anfang 2011 den von der Uganda Skateboard Union ausgerichteten „Goat, Turkey and Hen Competition“ gewinnt, verkauft er den Hauptpreis (tatsächlich eine Ziege), und bezahlt mit dem Erlös das Schulgeld, damit er bald seinen Grundschulabschluss machen kann.
Spätestens da waren wir uns sicher: Douglas muss gefördert werden! Als wir im Juni für den skate-aid Skatepark in Tansanias Hauptstadt Dodoma einen ersten Skateboardtrainer brauchten, lag also auf der Hand, wer den Job bekommen sollte. Douglas fuhr 18 Stunden mit dem Bus für skate-aid nach Tansania und wurde binnen kürzester Zeit zum Idol der Kids von Dodoma. Es spielte eine große Rolle, dass Douglas selbst einen ähnlichen Hintergrund hat, die Kids konnten sich sofort mit dem afrikanischen Skater identifizieren. Ganz nebenbei verdiente Douglas sich mit dem Job wieder das dringend benötigte Geld für seine Schulbildung. Er fungierte während seiner Zeit in Tansania natürlich auch als Botschafter für Uganda und trug so seinen Teil zur Verständigung der beiden Länder bei. Und diesen Job machte er so gut, dass bald klar war: Douglas soll auch in Deutschland über die Uganda Skateboard Union und unsere Zusammenarbeit berichten.
Also machten wir uns an das Projekt, Douglas nach Deutschland zu holen. Wir luden ihn offiziell ein, kümmerten uns um sein Visum und die Kostenübernahme seiner Flüge. Nachdem das First Reisebüro Lückertz in Münster sich bereit erklärte, die Flugtickets zur Verfügung zu stellen, war es kurze Zeit später soweit: Am 30. August 2011 traf Douglas in Deutschland ein.
Sein Aufenthalt stand natürlich ganz im Zeichen des Skateboards und der Arbeit, die ihn und die Uganda Skateboard Union mit uns von skate-aid verbindet. Zunächst standen Schulungsmaßnahmen auf dem Programm, in denen er zum Beispiel seine erste E-Mail geschrieben hat. Dazu konnte er Anfang September als einziger afrikanischer Skater mit einer Wildcard an der offiziellen deutschen Skateboardmeisterschaft teilnehmen. Beim C.O.S. Cup belegte er einen fantastischen 31. Platz. Bei insgesamt 46 Startern ließ er damit so einige deutsche Fahrer mit Sponsorverträgen hinter sich. Sieger der Herzen und Publikumsliebling war er allemal. Der WDR berichtete sogar in seiner Lokalzeit über Douglas auf dem C.O.S. Cup und seinen Besuch in Deutschland.
Davon abgesehen fuhren wir natürlich mit ihm zu den verschiedensten Skatespots und –Parks nicht nur im Münsterland. Im Skaters Palace in Münster aber avancierte er binnen kürzester Zeit zum Helden der Kids, die dort im Jugendcamp waren.
Insgesamt war es bemerkenswert, wie schnell und unkompliziert sich Douglas in die lokale Skateszene einfügte. Er gehörte ganz einfach dazu, ohne Umständlichkeiten und große Fragen fand er hier Freunde und knüpfte Kontakte, die sicher auch in der Zukunft Bestand haben werden.
Zugleich traf Douglas auch alte Bekannte in Deutschland. Zusammen mit skate-aid Vorstand Torben Oberhellmann besuchte er Trier und die Skatehalle von Axel Reichertz, dem deutschen Bauleiter des skate-aid Projekts in Tansania. Die beiden kannten sich schon vom gemeinsamen Skaten in Dodoma. In Trier hielten Douglas, Torben und Axel Vorträge über die gemeinsamen Projekte in Tansania und Uganda und testeten im Anschluss natürlich die Trierer Skatehalle. Etwas später, in Wiesbaden, erzählte Douglas von der Uganda Skateboard Union und seiner Arbeit und zeigte den Zuhörern des Seminars zum internationalen Freiwilligen-Dienst dann noch, was er als Skateboardtrainer so drauf hat.
Letztlich traf Douglas dann ausgerechnet in Deutschland auf einen für die Uganda Skateboard Union besonders wichtigen Menschen: Brian Lye ist Mitbegründer der Union. 2006, während seines Aufenthalts in Uganda, begann die Geschichte der Uganda Skateboard Union in Kitintale. Mittlerweile lebt er wieder in Kanada und betreibt dort quasi das „Außenbüro“ der Union. Brian nahm die weite Reise nach Deutschland extra zu Douglas´ Besuch auf sich. Die beiden hatten sich seit über einem Jahr nicht gesehen, die Freude auf beiden Seiten war riesig.
Die größte Veranstaltung für Douglas während seines Deutschlandaufenthalts war die skate-aid night. Die skate-aid night ist die jährlich stattfindende charity Gala, bei der wir unsere Arbeit präsentieren und gleichzeitig Spenden für laufende und kommende Projekte sammeln. Douglas hatte mittlerweile schon Routine als Botschafter des Projekts in Uganda und eroberte die Gäste im Sturm. Das zeigte sich dann auch sofort – das Publikum rief nach seinem Auftritt zu einer spontanen Spendenaktion auf, bei der innerhalb von nur wenigen Minuten 1500 Euro für Douglas´ Ausbildung gesammelt wurden. Damit ist für das komplette Schulgeld bis zum Abschluss der Highschool inklusive aller Materialien gesorgt! Wir verwalten dieses Geld treuhänderisch für Douglas und sorgen dafür, dass alle Kosten gedeckt werden. So kann Douglas nach seinem Grundschulabschluss direkt weiter zur Schule gehen und das scheinbar Unerreichbare schaffen: Den Highschoolabschluss, der ihm sogar die Möglichkeit eröffnet, eines Tages an die Universität zu gehen. Douglas hat mit dieser Ausbildung die Chance, sein Leben unabhängig und selbstbestimmt zu gestalten. Und das ist für jemanden mit seinem Hintergrund keine Selbstverständlichkeit.
Auch Douglas´ restlicher Aufenthalt in Deutschland war geprägt von Offenheit, spontaner und unerwarteter Unterstützung von allen Seiten. Als Douglas mit einem Abszess im Krankenhaus behandelt werden musste, erkannte ihn die Nonne, die dort Krankenschwester war, sofort als den Skater, den sie in der Lokalzeit im Fernsehen gesehen hatte. Die beiden verstanden sich sofort, auch wenn sie nicht die gleiche Sprache beherrschten. Zwei Tage später, bei der Nachbehandlung im Krankenhaus, übergaben die Schwestern Douglas eine Spende. Die Nonne hatte in der Zwischenzeit eine spontane Sammelaktion auf der Station auf die Beine gestellt und stieß sofort auf offene Ohren und Taschen.
Diese Aktion steht exemplarisch für die Resonanz, mit der Douglas in Deutschland empfangen wurde. Jeder, der ihn traf, war sofort begeistert von ihm und seinem Engagement. Wir besuchten mit Douglas die 24/7 Distribution, eine Firma, die skate-aid schon lange begleitet. Dort bekam er jede Menge Schuhe und Rollen, mit denen er jetzt die Skater von der Uganda Skateboard Union ausstatten kann. Mit den zusätzlichen Spenden, die wie von den Nonnen im Krankenhaus und den verschiedensten Seiten für Douglas gesammelt wurden, konnte er außerdem noch zwei Laptops für die Union kaufen und mit nach Uganda nehmen. Arbeiten kann er damit natürlich auch: Während seiner Zeit in Deutschland zeigte Torben ihm die Grundlagen beim Umgang mit dem PC und den wichtigsten Programmen. Douglas verschickte von Deutschland aus seine ersten E-Mails und beherrscht die für unsere Kommunikation in Zukunft so wichtige Internet-Telefonie.
Die nahe Zukunft ist für Douglas auch schon fest verplant: Direkt nach seinen letzten Abschlussprüfungen der Grundschule wird Douglas wieder für skate-aid nach Tansania reisen. Dort gibt er von Ende Dezember 2011 bis Februar 2012 Skateboardunterricht und bildet seinen Nachfolger aus. Danach beginnt er mit der Highschool. Wir sind stolz darauf, ihn dabei in allen Belangen unterstützen zu dürfen.





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