5.11.2013

"Wir waren die ersten Skater in Khartum"

„Wir waren die ersten Skater in den Straßen Khartums“

Anfang April reiste Larissa Fuhrmann in den Sudan, um dort ein Praktikum am Goethe Institut zu absolvieren. Den Bachelor in Afrikanistik und Islamwissenschaft an der Universität zu Köln hatte sie in der Tasche, der Master war auch fast geschafft, jetzt galt es, ihren geliebten Sudan wieder für sich zu erobern. Bereits 2009 hatte die 26-Jährige das Land während eines Auslandssemesters kennengelernt. „Was würden Sie gern während Ihres Praktikums am Goethe Institut hier in Khartum verwirklichen?“, wurde Larissa gleich zu Beginn gefragt. Ihre Antwort „einen Skateboard-Workshop“ erntete zunächst verwirrte Blicke. Wie Larissa sich durchsetzte und welche Rolle skate-aid und Deniz Ertin dabei spielten, erzählt sie hier.

Woher ich die Idee mit dem Skate-Workshop hatte? Ein Jahr zuvor war ich länger in Nairobi, Kenia, und hatte viel Spaß mit den Skatern dort durch die Straßen der afrikanischen Metropole zu rollen. Zuerst wurde ich ziemlich irritiert angeschaut von den MitarbeiterInnen des Goethe Instituts, aber dann meinten sie, wenn ich es schaffe alles alleine zu organisieren, dann könnte ich es ruhig machen. Also fing ich an zu planen.

Wo könnte man hier skaten? Wer hätte Lust skaten zu lernen? Wer hat Lust, mich zu unterstützen? Woher kommen die Skateboards und die Ausrüstung? Meine To-Do-Liste wurde immer länger. Ich wusste, dass ich alleine nicht viele Kinder unterrichten könnte, und, dass jemand die Ausrüstung aus Deutschland in den Sudan bringen müsste. Deshalb fragte ich in meinem Freundeskreis rum, wer von den anderen Skatern Lust hätte, zu mir in den Sudan zu kommen, um mich bei der praktischen Umsetzung des Skateworkshops zu unterstützen und die Ausrüstung aus Deutschland mitzubringen. So meldete sich Deniz Ertin, Politik-Promotionsstudent. Ich kannte ihn schon einige Jahre und freute mich, Unterstützung aus Köln zu bekommen. Ich fing an Skate-Shops, Skate-Hallen und Sportläden in Deutschland und natürlich skate-aid anzuschreiben, um von meiner Idee zu erzählen. Jeden Abend saß ich bis spät an den Plänen und schrieb E-Mails en masse. Ohne wirkliche finanzielle Mittel war das Ganze aber noch schwieriger als gedacht.

Vor Ort ging ich mit Gamal Mohamed, dem Leiter des Kulturprogrammes des GI Sudan, auf Location-Suche, bis ich das Jugendzentrum in Al-Sajjana fand. Das Zentrum wird von der Regierung geleitet und ist ein Anziehungspunkt für viele Kinder aus der Umgebung. Währenddessen meldeten sich skate-aid und die ersten Shops und sagten mir ihre Unterstützung zu. Ich kümmerte mich um den Flug von Deniz und fragte bei Turkish Airlines an, ob sie unsere Ausrüstung umsonst transportieren würden von Düsseldorf nach Khartum. Als ihre Zusage kam, fiel mir echt ein Stein vom Herzen. An diesem Punkt fehlten nur noch genügend Decks, die Schoner und Helme. Skate-Aid sagte uns zusätzlich zu ihrer logistischen Unterstützung die Schutzausrüstung und ein paar Decks, Achsen und Rollen zu. TX-Sport, Skate-Deluxe und Planetsports spendeten Komplett-Decks, Tools, Schraubensets und noch ein paar Sachen wie T-Shirts und Sonnenbrillen. Die AbenteuerHallen in Köln-Kalk spendeten uns zurückgelassene Helme und dank eines Aufrufs, den ich auf Facebook gestartet hatte, spendeten auch Kölner ihre alten und z.T. sogar neue Decks, Rollen, Achsen, etc.

Nachdem das Konzept stand und alles soweit vorbereitet war, kam Deniz mit dem Equipment in Khartum an und wir konnten es kaum erwarten, uns die Boards zu schnappen und durch die Straßen zu rollen. Wir waren uns nicht sicher, wie die Leute auf der Straße auf die Skateboards reagieren würden, da wir wohl die ersten Skater in den Straßen Khartums waren, aber dachten, dass wir es einfach ausprobieren sollten. Unsere Sorgen waren umsonst, denn beim Vorbeifahren klatschten uns die Leute zu, lachten und grüßten uns freundlich. Danach gingen wir zum Jugendzentrum um zu sehen, wie wir alles vor Ort regeln würden. Als die Kinder uns und die Skateboards sahen, waren sie nicht mehr zu halten und eine spontane Skate-Session kam zustande. Nach einer Stunde wurde uns bewusst, dass die Nachfrage enorm war und wir änderten unsere Pläne. Wir wollten nun den Workshop auf vier Tage ausdehnen und zwei Gruppen à 16 Kinder aufnehmen, unterstützt von den sudanesischen Volunteers und begleitet von einem Fotografen und den Filmern. Ein Mitarbeiter des Jugendzentrums wollte ebenfalls dabei sein, um zu sehen, was wir tun, und eventuell nach unserer Abreise weiter mit den Kids zu arbeiten.

Mehr zu den Skateboard-Workshops gibt’s in Larissas nächstem Bericht.