7.11.2013

Skateboarden stärkt Selbstbewusstsein

Skateboarden für mehr Selbstbewusstsein

Nach der erfolgreichen Vorbereitung der Skate-Workshops in Khartum waren Larissa und Deniz gespannt, wie die Kids auf dieses neue Sportgerät reagieren würden.

Am ersten Tag baten wir alle Kinder zusammen zu kommen. Deniz zeigte der ersten Gruppe eine Judorolle um ihnen beizubringen, wie man fällt, ohne sich zu verletzen. Ich schraubte mit ihnen die Skateboards zusammen und erklärte ihnen, wie man kaputte Teile austauscht. Am Abend standen die Kids dann das erste Mal auf den Boards. Die nächsten 3 Tage waren eine Achterbahnfahrt. Es war wunderbar. Die Jungs und Mädels wurden immer lockerer, blühten auf und wir hatten viel Spaß miteinander. Oft waren Eltern und andere neugierige Zuschauer dabei. Wir brachten ihnen eine Abfolge von Tricks bei, die sie am Ende der Woche bei einer Event-Nacht einem großen Publikum präsentieren sollten. Musatafa Khogali, ein Freund von mir und Leiter des Makaan Kulturzentrums der Stadt, organisiert regelmäßig Poetry-Slams und wir dachten beide, dass eine Event-Nacht, in der Poetry-Slam und Skaten zusammen kommen, ein super Höhepunkt für den Workshop wäre. So arbeiteten wir während der vier Tage auf diesen Abend hin. Das Verhältnis zwischen den Volunteers, uns selbst und den Kindern wurde immer vertrauter. Es ging schon lange nicht mehr nur ums Skateboard fahren. Es ging um viel mehr.

Nachdem wir den Kids die Basics beigebracht hatten, wurden sie kreativ, erfanden selbst Tricks, halfen sich gegenseitig und verloren ihre Ängste. Für mich persönlich war es besonders schön zu sehen, wie die Mädchen sich entfalten konnten, wie sie sich behaupteten gegenüber den Jungs und wie sich ihr Selbstbewusstsein ausbaute. In der sudanesischen Gesellschaft fahren Mädchen kein Fahrrad, auch Fußball ist eine Männerdomäne und es ist schwierig für sie ein Hobby zu finden, das sie auch mit Jungs gemeinsam ausüben können. Eine Mutter kam zu mir und sagte: „Meine Tochter ist immer so antriebslos. Ich muss sie wecken, damit sie in die Schule geht, damit sie zum Sport geht oder sich mit FreundInnen trifft. Aber heute war alles anders. Sie hat mich geweckt, stand bestimmend vor mir und sagte ich solle mich beeilen, denn sie wolle nicht zu spät zum Skaten kommen.“.

Zur Event-Nacht kamen einige hundert ZuschauerInnen und die Kids waren stolz zu zeigen was sie gelernt hatten. Nach der Vorführung begann der Poetry-Slam und es war ein einzigartiges Bild zu sehen wie auf der Bühne gerappt wurde während die Kids davor auf und ab fuhren mit ihren Skateboards. Auch manche Eltern und andere BesucherInnen nahmen die Herausforderung an und stellten sich auf die Skateboards. Es war ein wunderbarerer Abend. Die ganze Ausrüstung überließen wir im Anschluss dem Jugendzentrum. Sie versprachen uns weiter Kurse zu geben und es den Kids zu ermöglichen kostenlos die Ausrüstung auszuleihen.

Als Frau hatte ich es nicht immer einfach mich zu behaupten. Das war im Sudan nicht anders als in Deutschland. Ich wurde in Khartum aber immer sehr respektvoll behandelt und habe mich ernst genommen gefühlt. Ich hatte das Gefühl, dass es für die Mädchen in unserem Workshop wichtig war, mich als Vorbild zu haben und nicht nur einen Mann als Skate-Lehrer vor sich zu sehen. Ich hatte eine gute Zeit in Khartum und freue mich schnellstmöglich wieder dort zu sein und eine längere Zeit im Sudan zu verbringen.

Jetzt sind Deniz und ich wieder in Köln. Wir planen wie es weiter gehen soll. Nach dem erfolgreichen Workshop wollen wir weiter zusammen arbeiten. Der Film über den Workshop ist bald fertig und wir freuen uns, ihn in naher Zukunft der Öffentlichkeit zu präsentieren. So können wir zeigen, was wir getan haben und uns für die großartige Unterstützung bedanken, die wir bekommen haben, im Sudan und aus Deutschland. Wir freuen uns auf weitere Skate-Workshops in Khartum, denn die Kids warten sehnsüchtig auf unsere Rückkehr und auch wir können es kaum erwarten zurück zu gehen.