Radikalisierung von jungen Flüchtlingen ist vermeidbar

Statement von skate-aid-Gründer Titus Dittmann


Berichte über die Radikalisierung von jungen Flüchtlingen häufen sich. Jüngst wurde ein junger Syrer in Köln festgenommen, da er mutmaßlich einen Sprengstoffanschlag zu planen schien. Die Kölner Polizei sprach von einer Turbo-Radikalisierung des Jugendlichen. Skateboard-Pionier Titus Dittmann aus Münster setzt sich mit seiner Stiftung skate-aid seit Jahren mit Flüchtlingsprojekten für jugendliche Flüchtlinge ein. Der studierte Pädagoge vertritt die Auffassung, dass Kinder und Jugendliche sich nicht radikalisieren lassen, wenn sie die Möglichkeit haben, sich selbstbestimmt während der pubertären Orientierungsphase zu entwickeln und sich als Teil einer Gesinnungsgenossenschaft fühlen. Seine Organisation skate-aid verfolgt diesen pädagogischen Ansatz mithilfe der bewegungsorientierten Jugendkultur Skateboarding und ermöglicht Kindern und Jugendlichen weltweit Sinnstiftung und Persönlichkeitsbildung dadurch zu erleben, indem sie sich von der Erwachsenwelt abgrenzen können, sich als Teil einer Gemeinschaft fühlen in der Hautfarbe, Religionszugehörigkeit und Herkunft keine Rolle spielen.

Ein 17-Jähriger, der in einem Zug mit einer Axt Menschen angreift. Ein 16-Jähriger, der mutmaßlich ein Sprengstoffattentat plant. Zwei Geschichten von einigen, die medial für Aufregung sorgen und alle haben sie eines gemeinsam – Protagonisten sind junge Flüchtlinge. Wenige Fälle, die eine negative Stimmung in Deutschland schaffen und Flüchtlinge unter Generalverdacht stellen.

Skateboard-Pionier und skate-aid-Gründer Titus Dittmann setzt sich seit Jahren intensiv mit seiner Stiftung für jugendliche Flüchtlinge ein. Ein Netz von Kooperationspartnern ermöglicht es ihm und seinem Team mithilfe des Skateboards als pädagogischem Werkzeug, Kinder und Jugendliche in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Spezielle Flüchtlings-Workshops bieten den traumatisierten Kindern die Chance sich sinnstiftend entfalten zu können und in einer Gruppe von Gleichgesinnten selbstbestimmt zu agieren.

Wichtig hierbei ist die Erkenntnis, dass Skateboarding auch ohne Sprachkenntnisse funktioniert und Herkunft innerhalb dieser Gesinnungsgenossenschaft kein Stigma ist.

Der pädagogische Ansatz im Umgang mit diesen jungen Menschen ist für Titus Dittmann essentiell, denn

„wir arbeiten mit zum Teil stark traumatisierten Jugendlichen, die schreckliche Dinge auf ihrer Flucht erlebt haben. Oft gehören sie zur Gruppe der minderjährigen unbegleiteten Flüchtlinge, die völlig überfordert auf die ebenfalls überforderte deutsche Gesellschaft prallen, deren Werte und Normen ihnen fremd sind. Die meisten Flüchtlinge kommen aus einer kollektivistisch geprägten Kultur, die anders funktioniert als unsere individualistische. Diese Jugendlichen sind so aufgewachsen, dass das Wohl von Familie und Sippe an erster Stelle steht und dann erst die individuellen Bedürfnisse folgen: „I am because we are!“ Es ist nicht schwer sich vorzustellen, wie verloren sich so ein junger Mensch in unserer individuellen Leistungsgesellschaft fühlen muss. Wir versuchen diese Jugendlichen mithilfe des Skateboardings aufzufangen und ihnen eine Ersatzfamilie zu geben.

Credit: Stefan Lehmann

Wichtig ist es, die Jugendlichen früh in die Projekte zu holen, um ihr Bedürfnis nach Gemeinschaft schnell zu befriedigen und einer potentiellen Radikalisierung entgegen zu wirken. Extremistische Gruppierungen werden dann für Jugendliche interessant, wenn wir es nicht schaffen, ihnen ein Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gruppe zu geben. Radikale Islamisten haben das schon lange erkannt und werben mit dem schönen Gefühl, in einer Gemeinschaft integriert zu sein. Das Ergebnis ist Turboradikalisierung.

Es ist unsere Aufgabe, dem durch das Angebot von sinnstiftenden und lebensbejahenden Gesinnungsgemeinschaften Einhalt zu gebieten.“

2009 gründete Dittmann die Titus-Dittmann-Stiftung, unter deren Dach seine Initiative skate-aid beherbergt ist. Skateboarding kennt weder Grenzen noch Krieg, Hautfarbe oder Hass, arm oder reich. Selbstbestimmte Sportarten wie Skateboarding fördern Jugendliche nicht nur motorisch, sondern auch kognitiv. Sie wecken intrinsische Motivation und entwickeln Sozialkompetenz. Diese pädagogische Kraft nutzt skate-aid gemeinsam mit Anstifter Titus Dittmann um weltweit einen umfassenden Ansatz der Kinder-, Jugend- und Entwicklungsförderung zu verfolgen. Die Initiative ist mittlerweile in über 30 Ländern weltweit aktiv.

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